“Du mußt heute zu Hause bleiben”… sagte ich gestern Morgen zum Mann. Was seit ich einigen Tagen noch mehr oder weniger verdrängen konnte, drängte sich gestern morgen in den Vordergrund. Ich bin krank.
Erschöpfung, Kraftlosigkeit, Gliederschmerzen und Kurzatmigkeit hatten mich so sehr im Griff, daß ich mich nicht mehr in der Lage sah, den Kleinen auf den Arm zu nehmen. Beim Treppensteigen wurde mir schwarz vor Augen. Die Sache mit der Verdauung erspare ich Euch Lesern jetzt mal.
Okay, der Papa bleibt zu Hause, der Große geht in den Kindergarten und ich zum Arzt. Das ist immer leichter gesagt, als getan, weil ich hier in der Nähe einfach keinen Arzt finde, der mir zusagt. Drei habe ich schon getestet und die sind gnadenlos durchgefallen. Okay, wieder einen neuen Arzt ausprobieren.
Schnell entschied ich mich für einen, ganz bei uns in der Nähe.
Einrichtung noch original aus den 70ern. Das könnte cool aussehen, hier sah es düster und billig aus. Die Sprechstundenhilfen waren so laut am lästern, über den Arzt und über irgendeine Patientin, daß mir das im Wartezimmer nicht entging.
Ja, der Arzt war nett, untersuchte mich gewissenhaft, konnte mir aber nicht wirklich weiterhelfen. Er tippte auf irgendeinen Virus und verschrieb mir dann ein verschreibungspflichiges Schmerzmittel, verschreibungspflichtige Tropfen gegen Übelkeit und Erbrechen (mir war nur ein bisschen schlecht, nicht der Rede wert, habe ich ihm gesagt). Und dann noch ein Breitbandantibiotikum. Okay, ich weiß, daß man gegen einen Virusinfekt kein Antibiotikum nehmen kann, war aber doch ganz froh, es zu bekommen, weil ich mir auch nicht erklären konnte, warum ich mich so elend fühlte und im Hinterkopf immer noch die Streptokokken der Kinder hatte.
Meine Vermutung, daß ich mich bei den Kindern mit Streptokokken angesteckt haben könnte wurde in den Wind geschlagen, weil mein Hals nicht danach aussah. Meine Mandeln waren sogar so klein, daß der Arzt vermutete, sie seien entfernt worden.
Ich fragte noch, ob das Antibiotikum auch gegen Streptokokken hilft, was bejaht wurde.
Also sagte ich mir, ich geh halt auf Nummer Sicher, nehme das Antibiotikum und erspare mir das Schmerzmittel und die Tropfen.
Als ich die Praxis verließ, legte ich mich noch mit den Sprechstundenzicken an, weil die meinten, daß sie mir nicht das Formular für die Krankenkasse geben könnten, das der Mann braucht um seinen Verdienstausfall bei der Krankenkasse geltend zu machen.
Sie wollten bitteschön die Krankenkassenkarte vom Mann und 10 Euro Praxisgebühr haben, um die Bescheinigung ausstellen zu können.
Ich machte darauf aufmerksam, daß ich die Bescheinigung schonmal, zwar von einem anderen Arzt, aber “einfach so” bekommen habe.
“Nein, das geht bei unserem System nicht”, mußte ich mir anhören. Ich sollte doch mal die 10 Euro gegen den Verdienstausfall rechnen, das sei das kleinere Übel…
Ich merkte wieder an, daß das in einer anderen Praxis auch geht. “Ja, aber bei unserem System nicht, so ist halt die moderne Technik”…
Ich biss die Zähne zusammen. Ich sagte, daß es die “moderne Technik” vor zwei Jahren auch schon gegeben hat.
“Also Sie müssen sich jetzt entscheiden, entweder sie geben uns die Versichertenkarte ihres Mannes, oder sie bekommen den Zettel nicht, ich kann mir den auch nicht aus den Rippen schneiden!”
sagte die Sprechstundenzicke mit erhöhtem Blutdruck.
“sehr freundlich sind sie” sagte ich.
Dann ging ich raus, weihte den Mann ein, ließ ihn zum Tresen gehen. Der rief kurzerhand in seiner Firma an, wo ihm bestätigt wurde, daß das Quatsch sei.
Wir bekamen den Zettel und gingen.
Auf dem Zettel stand “zu betreuendes Kind” und dazu waren MEINE Daten eingetragen.
Wie kann man so dummbrotig sein? Können die nicht lesen? Ich finds überhaupt nicht schlimm, wenn die das nicht wissen, aber was spricht dagegen dann mal kurz jemanden zu fragen, der sich auskennt?
Okay, ich bin also weiter auf der Suche und habe mir in der Apotheke gleich eine neue Ärztin empfehlen lassen.
Und mir geht es nicht besser. Mir wird immer noch schwarz vor Augen, wenn ich mich bewege und habe jetzt, nach der Einnahme der Tabletten tadaaaaaa! Halsschmerzen!
Ahh, dachte ich und lehnte mich entspannt zurück, denn das Breitbandantibiotikum wirkt ja nach Auskunft des Arztes auch gegen Streptokokken…
Ja, das dachte ich, ist aber nicht so, wie ich gerade eben nachgelesen habe. Das Präparat “Avalox” wird hauptsächlich für Bronchitis, Lungenentzündung und Nasennebenhöhlenentzündung verschrieben auf Streptokokken soll es nicht ansprechen.
Supi. Und nun?
Achja, ist das normal, daß die Sprechstundenhilfe ohne Anklopfen das Behandlungszimmer betritt, dort wortlos herumwühlt und dann wieder geht?
etwas Senf